Justice
River Schexnayder ist ein geborener Trendsetter.
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SAN
FRANCISCO -- Justice River Schexnayder ist ein geborener Trendsetter. "Es war eine großartige Erfahrung," so die frischgebackene Mutter Melissa Sandoval, dessen Neugeborenes bereits wenige Minuten nach der Geburt gestillt wurde. Sie wollte einen Dammschnitt vermeiden, weil sie in ihrem Schwangerschaftsratgeber von einem empfindlichen Heilungsprozeß gelesen hatte. Ihre Ärzte stimmten ihr zu. "Nach dieser Erfahrung," sagte sie "könnte ich 10 Kinder gebären." Einst als freundlichster Schnitt gepriesen, wurde die Episiotomie an Millionen von Frauen aufgrund der angeblichen Vorzüge durchgeführt; erstaunlicherweise ist das laut der Statistiken doch nicht so gut gewesen. In den gesamten USA geben viele Krankenhäuser diesem Eingriff längst nicht mehr den Vorzug und haben die Anzahl der durchgeführten Dammschnitte drastisch reduziert. Erfunden in Europa in den 1740ern wurde die Episiotomie in den USA Anfang des 20. Jahrhunderts sehr häufig durchgeführt. Eine einflußreiche Veröffentlichung vom bahnbrechenden Geburtshelfer Joseph DeLee des Chicago Lying-in Krankenhauses erklärte in 1920, daß die Geburt "ein entscheidend pathologischer Vorgang sei, "und verglich deren Auswirkung mit einem "Sturz auf eine Heugabel." Heute würde
diese Einstellung als eine grausame Parodie medizinischer Vernichtung
abgetan werden, mit der Pathologie im natürlichsten aller Vorgänge. Damals
jedoch hatten die Geburtshelfer wenige Werkzeuge, die Überwachung des
Fötus war primitiv und die Raten geburtbezogener Verletzung der
Mutter und des Kindes lagen viel höher als heute. Um den Frauen die Strapazen
der Geburt zu ersparen, schlug er einen kleinen Schnitt vor. Dieser würde
den Geburtsvorgang beschleunigen und das Trauma verringern. Außerdem,
sei mit einer Als während
der 1940er die Geburten mehr Klinikgeburten als Hausgeburten waren, gab
es bei den Dammschnitten ebenfalls eine rückläufige Entwicklung. Bis zu
den 1970ern und 1980ern hatte sich dieser Vorgang als Routine bei Normalgeburten
etabliert und wurde bei mehr als 60% aller Gebärenden in den USA durchgeführt,
und bei 80% aller Erstgebärenden. Vom Glauben getrieben, daß ein kleiner
Schnitt weit schwerwiegendere Verletzungen verhindern könne, wurde der
Dammschnitt zu einem der häufigsten chirurgischen Eingriffe im Land Aber war dies
wirklich wissenschaftlich belegt? Niemand wußte das. Die Geburtshilfe
vor dem Beginn zufälliger klinischer Versuchsreihen in 1948 war wie vieles
andere in der Medizin, sehr stark durch Traditionen geprägt. "Vor
fünfzig oder 60 Jahren war die akzeptierte medizinische Praxis das, was
der Vorsitzender der Abteilung verkündete," sagt John Repke, Vorsitzender
der Geburtshilfe am Nebraska Medical Center der Universität in Omaha.
"Wenn Sie unter bestimmten Fachärzten ausgebildet wurden, nahmen
Sie deren Ansichten an. Sie Die Skepsis über die Vorzüge des Routineeingriffs der Episiotomie wuchsen allmählich auf beiden Seiten der Atlantik. In 1983 verschaffte sich Stephen Thacker einen gründlichen Überblick über 350 Bücher und Artikel über Episiotomie an den U.S. Centers for Disease Control and Prevention. Nach dieser Überprüfung kam er zu dem Schluß, daß Argumente zugunsten des Routineschnitts um Risse zu vermeiden, die Beckenmuskulatur zu schonen und die sexuelle Funktion zu erhalten "einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten." Gebärende in Großbritannien und den USA riefen nach Reformen. "Die Indikationen für eine Episiotomie, nämlich der Schutz des kindlichen Kopfes und des Beckens der Mutter bestanden die Probe nicht," so Judith Bishop, Forscher und Hebamme am UCSF. "Was hilft," so Elsa Heros, die Hebamme von Frau Sandoval, "ist nicht die Beschleunigung der Geburt. Der Kopf des Babys macht die ganze Dehnarbeit und wartet nur geduldig mit seiner Mama." Mit der Zeit führten die Ärzte klinische Studien über die Episiotomie durch. Eine der wichtigsten und überzeugendsten Versuchsreihen wurde in Argentinien durchgeführt. Forscher Jose Belizan und Kollegen teilten über 2.600 Frauen willkürlich in zwei separate Gruppen ein. Die Frauen in der einen Gruppe bekamen einen routinemäßigen Dammschnitt; die Frauen in der anderen erhielten die Episiotomie, selektiv je nach Bedarf. Die in 1993 veröffentlichte Studie im Lancet, stellte fest, daß Schmerzen und Abheilungsprobleme in der Tat häufiger bei den Frauen auftauchten, bei denen routinemäßig ein Dammschnitt durchgeführt wurde, als bei den Frauen in der Gruppe mit eingeschränkt durchgeführtem Dammschnitt. Eine kürzlich durchgeführte Studie durch Dr. Repke von Nebraska, in Zusammenarbeit mit Kollegen in Brigham und dem Women's Hospital in Boston, überprüfte Fälle von 600 Erstgebärenden und stellte fest, daß Frauen mit Dammschnitt eine erhöhte Anfälligkeit für Darmprobleme bis zu sechs Monate nach der Geburt aufwiesen. Erstaunlicherweise stellten sie fest, daß Frauen mit dem Schnitt über mehr Komplikationen klagten als Frauen, bei denen ein Dammriß während des Geburtsvorgangs spontan auftrat. Diese in dem British Medical Journal in Januar veröffentlichte Studie erweckte die Aufmerksamkeit von William McGuire, einem Arzt und Vorstandsmitglied der UnitedHealth Group von Minnetonka, Minnesota. Und seitdem hat Dr. McGuire seine Meinung kundgetan. "Wir können uns nicht an die Ärzte wenden und ihnen vorschreiben, daß sie keine Dammschnitte durchführen sollen", sagt Dr. McGuire in einem Interview. "Wir müssen diese Information unterstützen, verteilen und hoffen, daß sie befolgt wird. Dann müssen wir feststellen, ob das mit den besten Praktiken vereinbar ist." Ärzte in Lehrkrankenanstalten warten nicht auf Unternehmen, die den Ton angeben. Am Massachusetts General Hospital in Boston, sagt Michael Greene, Director der Geburtsmedizin, daß in seinem Krankenhaus die Episiotomierate etwa um 10% bis 15% bei allen Geburten gesunken sei. Es ist ganz klar nicht angebracht, einen Dammschnitt bei jeder normalen Vaginalgeburt auszuführen, so der Arzt. Eines sollte klar sein, ein Dammschnitt ist in einem Notfall angebracht: wenn zum Beispiel ein Baby sehr groß ist, die Wehen sehr lange andauern, oder die Herztöne des Kindes absinken. Manche Ärzte
führen einen Dammschnitt durch, wenn ein Riß unvermeidbar scheint. Andere
machen einen Dammschnitt bei Geburten, in denen Instrumente erforderlich
sind, um dem Baby auf die Welt zu helfen. Es ist ebenfalls unumstritten,
daß durch die Episiotomie die letzte Phase der Geburt um 10 to 20 Minuten
verkürzt wird. Der Dammschnitt
kann daher unerläßlich sein, wenn die Geschwindigkeit gefragt ist, um
eine Verletzung oder Bei dem Wechsel von routinemäßigem auf eingeschränktem Dammschnitt sind sich die Ärzte nicht einig, wie die richtig dosierte Intervention aussehen soll. Das American College of Obstetrics and Gynecology empfiehlt keine routinemäßige Episiotomie und plant die Veröffentlichung eines Artikels durch kanadische Forscher in der Aprilausgabe seines Journals, die feststellt, daß dieser Eingriff derzeit bei 30% aller Vaginalgeburten immer noch zu häufig vorgenommen wird. Aber andere bestreiten dies. "Wir machen zu wenige Dammschnitte heute," so Karen P. Beckerman, Assistent Professor der Geburtshilfe und Gynäkologie beim UCSF und ehemalige Chefin der Geburtshilfe beim San Francisco General Hospital. "Ich bin der Ansicht wir sind zu weit gegangen." "Es ist ironisch, " fügt die 45-jährige Ärztin hinzu. Als diensthabende Ärztin an der Washington Universität in St. Louis in den 1980ern war Dr. Beckerman gegen automatische Schnitte und wurde für ihren Standpunkt kritisiert. "Ich war ein Pionier für den selektiven Einsatz der Episiotomie," sagte sie. "Jetzt sind aber diensthabende Ärzte so abgeneigt, daß sie den Dammschnitt nicht einmal ausführen, wenn er klinisch indiziert ist. Quelle: The Wallstreet Journal, 30.03.2000 |
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